Es war mir nach dem verklungenen Schlussakkord klar, dass sich dieser Tatort jede Leiche wird vorrechnen lassen müssen.

Fast so, wie man weiland bei dem Ermittler „Schimansky“ jedes ausgerufene, geflüsterte oder nur beiläufig erwähnte „Scheisse“ zu zählen verstand.

„Im Schmerz geboren“ war eine Offenbarung in der deutschen Krimi-Landschaft.

Ohne vorab zu wissen, was mich erwarten würde, traute ich nach einigen Minuten meinen Ohren und Augen kaum und es wurde überdeutlich, dass Regisseur Florian Schwarz Tarantino-Fan sein muss. Sicher verehrt er auch Stanley Kubrick, der es genauso verstand, klassische Musik in seine surrealen Bilder hinein zu komponieren.

Dieser „Tatort“ verstörte mit tiefen Blicken in menschliche Abgründe und packte den Zuseher dennoch in eine kuschelige Theaterloge inklusive letztem Vorhang. Eine finale Verbeugung der Protagonisten hätte mich nicht verwundert.

Passierte die zwar nicht dem Publikum, verbeugte sich dieser legendäre Krimi aber vor jenen, die moderne Klassiker zu schaffen im Stande waren:

Tarantino, Sergio Leone , Truffaut, Shakespeare, Dürrematt, Bach, Betthoven, Holst und Verdi.

Wer angesichts dieses Streifens, den ich mir jederzeit gerne einmal  im Kino ansehen würde, von Gewaltorgien spricht oder sich dem plumpen Leichenzählen hingibt, hat von wirklich anspruchsvollen Filmen keine Ahnung. Der mag sich im gewohnten Räuber und Gendarm-Reigen oder im Pilcher-Universum wohlfühlen. Davon wird dem TV-Gebührenzahler ja mehr als genug geboten.

Perlen wie diese jedoch werden sicher Einzug in die gut sortierte DVD-Sammlung eines Cineasten finden. Mehr davon! Bitte!

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Written by Albert

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